Storytelling Frameworks
Wenn du bereits eine interessante Story im Kopf hast, aber unsicher bist, wie du sie am besten strukturieren kannst, können dir verschiedene Frameworks helfen, eine klare Handlungsstruktur aufzubauen. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Strukturen für gutes Storytelling etabliert – hier habe ich dir die wichtigsten Plotmuster aufgelistet.
Darum geht's
- Die allgemeinen Modelle: Story Scaffold sowie Drei-, Vier- und Fünf-Akt-Struktur
- Die Business-Frameworks: Pixar, Heldenreise, Big Idea und Story Cycle
- Mein absolutes Lieblings-Framework in fünf Fragen
Was ist eine Story?
Eine Story ist – laut „offizieller“ Definition – ein Narrativ oder eine Serie von Ereignissen, die zusammengehören und die in einer bestimmten Reihenfolge erzählt werden, um die Zuhörer oder Leser zu informieren, begeistern und/oder inspirieren.
Das Ziel dabei ist, die Zuhörer oder Leser indirekt zu einem Punkt oder einer Erklärung zu führen – und das am besten mit viel Emotion. Aber damit wollen wir uns noch nicht zufrieden geben: Hier kommen einige Konzepte, die du für den Aufbau deiner eigenen privaten oder beruflichen Story anwenden kannst.
The Story Scaffold
„The Story Scaffold“ ist ein hilfreiches Konzept, das Storyteller und Autoren dabei unterstützt, Stories in eine strukturierte Form zu bringen. Es besteht aus fünf wesentlichen Schritten:
- Context – die Ausgangslage, in der alles beginnt
- Catalyst – das Ereignis, das die Story in Gang setzt
- Complication – was sich der Figur in den Weg stellt
- Change – der Moment, in dem sich etwas grundlegend verschiebt
- Consequence – was daraus folgt
Hier sind weitere fünf C’s, die für das Erstellen einer guten Story berücksichtigt werden können:
- Circumstance – die Ausgangssituation
- Characters – Eigenschaften, Motivationen und Ziele
- Conflict – das Problem, das überwunden werden muss, und Curiosity – was passiert als Nächstes?
- Conversations – ein guter Abschluss der Story, Nachvollziehbarkeit, Auswirkungen
STORYBOOK Teil 1
- Von der Idee zur tragenden Prämisse
- Figuren, Konflikt und Outline in einem Buch
- Mit Übungen zum direkt Reinschreiben
Die Drei-Akt-Struktur
Wohl das einfachste aller Erzählmodelle ist die Drei-Akt-Struktur, denn sie besteht aus den drei Akten: Anfang (Set-up), Mitte (Problem) und Ende (Konfrontation).
Set-up. Mit dem ersten Akt beginnt deine Story, die wir zunächst aufbauen müssen: Wo findet das alles statt? Wer ist der Hero, wer sind die anderen Charaktere? Warum sollte ich mich um ihn kümmern? Warum ist der Konflikt wichtig – und warum ist er für den Hero persönlich wichtig?
In dieser Phase beschreiben wir aber auch schon den auslösenden Vorfall, der den Hero dazu aufruft, die gewohnte Welt zu verlassen. Durch ein Schlüsselereignis wird der Hero fest in den Konflikt verwickelt; aber er muss erst noch davon überzeugt werden, die Reise zu beginnen. Mit dem ersten Plot Point lässt sich der Hero auf den Konflikt und die Handlung ein. Es gibt kein Zurück mehr und der erste Akt endet.
Problem. Im zweiten Akt beginnen wir mit dem Kern der Story, in dem es die meiste Zeit darum geht, Tests und Prüfungen zu absolvieren. Der Hero bereitet sich dadurch auf den Höhepunkt vor; die Herausforderungen des bevorstehenden Konfliktes werden konkretisiert.
Es wird der Mittel- beziehungsweise Wendepunkt erreicht, an dem der Hero bereit ist, den bevorstehenden Konflikt anzunehmen. Der Hero muss aber weiterhin auf der Hut sein, denn der Konflikt ist noch nicht überwunden. Beim Erreichen des zweiten Plot Points – dem dunkelsten Moment des Heroes – endet der zweite Akt. Ab hier beschleunigt sich das Tempo der Story und führt zum Höhepunkt.
Auflösung. Der dritte Akt beschreibt eine dunkle und angespannte Zeit. Hier findet der Höhepunkt der Story statt und der Hero wird mit den letzten Herausforderungen konfrontiert. Wird der Hero Erfolg haben oder nicht? Hier werden alle Fragen beantwortet, die im ersten Akt gestellt wurden.
Ziel ist es, gemeinsam mit den Zuhörern beziehungsweise Lesern aufzuatmen, denn der Konflikt ist gelöst. Möglicherweise gibt es hier sogar Hinweise für eine Fortsetzung?
Die Vier- und die Fünf-Akt-Struktur
Die Vier-Akt-Struktur ist eine modifizierte Form der Drei-Akt-Struktur und teilt eine Story in vier Teile: Set-up, die sich anbahnende Aktion, die Reaktion darauf und die Auflösung. Dieses Framework kannst du auch gut für dein Business nutzen.
Mit der Fünf-Akt-Struktur gibt es gleich noch eine Steigerung, denn mit diesem Erzählmodell wird vorgegeben, was, wann und wie etwas in einer Handlung passiert – powered by Gustav Freytag.
- Set-up. Hier werden wieder alle Heroes, Spieler und Gegenspieler, Örtlichkeiten sowie der Auslöser für den Konflikt dargelegt.
- Problem. Im zweiten Akt beginnt der Konflikt Gestalt anzunehmen; weitere Komplikationen kommen hinzu, welche die Lösung des Konflikts verhindern und die Handlung in Bewegung bringen.
- Krise. Der dritte Akt ist der Höhepunkt und damit der spannendste Teil der Story. Wie beim Drei- und Vier-Akter wird die Handlung und der Konflikt auf die Spitze getrieben.
- Auflösung. Im vierten Akt wird die Spannung allmählich abgebaut – die Nachwirkungen des Höhepunktes sind deutlich zu spüren. Nach dem Abfall der Handlung wird aber der Konflikt aufgelöst, womit auch der vierte Akt endet.
- Schluss. Im letzten Akt sehen wir, wie die Story ausgeht. Alle offenen Fragen werden hier geklärt.
Dieses Framework kannst du sehr gut für kurze Inhalte nutzen, wie zum Beispiel Social-Media-Posts.
Das Pixar-Framework
Emma Coates von Pixar hat diesen Story-Rahmen in einer Präsentation über das Erzählen von Geschichten für Pixar entwickelt. Er kann problemlos in Gründungsgeschichten, Erklärvideos und natürlich in Pixar-Filmen verwendet werden:
- Once upon a time there was…
- Every day…
- Then one day…
- Because of that, …
- And because of that, …
- Until finally, …
Die Hero-Journey
„The Hero’s Journey“ – die Heldenreise, auch als Monomythos bekannt – ist ein Konzept, das vom Mythologen Joseph Campbell entwickelt wurde und als inspirierendes Werkzeug für Storyteller:innen und Autor:innen dient, um mitreissende und bedeutungsvolle Stories zu erschaffen.
Es beinhaltet verschiedene Stufen, wie den Ruf zum Abenteuer, das Überschreiten der ersten Schwelle, Begegnungen mit Mentoren und Prüfungen, den Kampf mit dem Hauptkonflikt, die Rückkehr mit neuen Erkenntnissen und die Transformation des Heroes. Diese Reise spiegelt die persönliche Entwicklung, den Wandel und die innere Reise wider, die ein Hero durchläuft, um die Bestimmung zu erfüllen.
Das Big-Idea-Storytelling-Framework
Das Big-Idea-Storytelling-Framework bezieht sich auf den Ansatz, grosse Mengen an Daten in eine kohärente und fesselnde Story zu verwandeln. Es umfasst die Sammlung und Analyse von Daten, die Identifizierung von relevanten Erkenntnissen und die Verbindung der Erkenntnisse zu einer narrativen Struktur.
Eine beeindruckende Anwendung ist die Präsentation der Einführung des iPhones durch Steve Jobs auf der MacWorld 2007:
- Set-up. Steve zeigt dem Publikum zunächst die langjährige Erfahrung von Apple in der Entwicklung und Herstellung innovativer Produkte, die die Branche revolutioniert haben. Wenn du im Video genau hinhörst, wirst du sehen, dass Steve das Wort „revolutionär“ ein paar Mal verwendet hat, um das neue iPhone zu beschreiben. Sein Ziel war hier, Begeisterung beim Publikum auszulösen.
- Charaktere. Die Konkurrenz von Apple und deren Smartphones – Blackberry und Nokia sind zwei davon.
- Problem. Die Smartphones der Konkurrenz sind nicht gerade smart, schwer zu bedienen, haben einen kleinen Bildschirm, eine fixe Tastatur und schlechte Internetfähigkeiten.
- Big Idea. Steves Big Idea bestand darin, Innovationen einzuführen, um die Probleme zu lösen. Seine Lösung: drei verschiedene Produkte – einen iPod, ein Mobiltelefon und ein Internetgerät – zu einem einzigen zu machen: dem iPhone. Es verfügt über Multi-Touch, einen grösseren Bildschirm, eine leistungsstarke integrierte Kamera und mehr.
- Auflösung. Wie sieht die Welt aus, wenn die Menschen iPhones statt Nokias oder Blackberries nutzen? Dank der vielen, neuen und erweiterten Funktionen.
iPhone is like having your life in your pocket.
Das Story-Cycle-Framework
Das Story Cycle™ Storytelling Framework von Park Howell ist ein Konzept, das auf sechs wesentlichen Elementen basiert und Autoren dabei hilft, effektive Geschichten zu entwickeln:
- der Hero
- die Herausforderung oder der Konflikt
- die Transformation oder die Entwicklung
- die Botschaft oder die Lehre
- die Handlung oder die Abfolge von Ereignissen
- das Publikum oder die Zielgruppe
Ein bekanntes Beispiel ist das Unternehmen Patagonia, ein Hersteller von Outdoor-Bekleidung. Patagonia nutzte das Story Cycle™ Framework, um seine Mission und Werte in Geschichten zu verpacken, die die Verbindung zwischen Umweltschutz, Abenteuerlust und Nachhaltigkeit verdeutlichen. Durch das Erzählen solcher Geschichten konnte Patagonia eine starke Markenidentität und eine engagierte Community von Kunden aufbauen, die ihre Werte teilen.
Mein absolutes Lieblings-Framework
Wenn ich mich für eines entscheiden müsste, wäre es dieses – fünf Fragen, mehr braucht es nicht:
- Wer ist dein Hero? Hast du alle Informationen über den Hero?
- Was möchte dein Hero erreichen? Was sind die Ziele? Was sind die Bedürfnisse?
- Was sind die Herausforderungen, die dein Hero bewältigen muss? Gab es Rückschläge?
- Wie sieht der Moment der Veränderung aus? Welche Lösung – Produkt oder Service – gibt es, um die Herausforderungen zu bewältigen?
- Wenn eine Entscheidung gefällt wird, wie sieht die „bessere Welt“ aus?
Wichtig: Statt die grossartigen Features des Produktes oder des Services zu beschreiben, solltest du dich darauf konzentrieren, wie die Welt des Heroes durch den Einsatz des Produkts oder des Services verbessert wird.
Deine Story in fünf Fragen
Nimm mein Lieblings-Framework und fülle es für deine Story aus – egal ob Roman, Pitch oder Social-Media-Post. Fünf Zeilen, mehr nicht.
- Mein Hero ist: …
- Er/sie möchte erreichen: …
- Die Herausforderungen und Rückschläge: …
- Der Moment der Veränderung: …
- So sieht die bessere Welt am Ende aus: …
Lies die fünf Zeilen hintereinander. Wenn sie sich wie eine Geschichte anhören, hast du eine.
wirklich aufschreiben,nicht nur denken.
Fazit
Jeder hat eine Geschichte zu erzählen – nutze eines der Frameworks und leg gleich los!
Kostenlos für dich
Die Hero-Journey-Vorlage
Mein absolutes Lieblingsframework als Vorlage – damit gliederst du deine Erzählung blitzschnell.
HolenDieser Artikel wurde mit ganz viel Herz in Meran, Südtirol geschrieben.