Schreiben ist (für mich) mit der Zeit zu etwas geworden, das funktionieren musste: sichtbar sein, mithalten können, Content liefern. Irgendwann habe ich gemerkt, dass dabei meine eigentlichen Stories auf der Strecke geblieben sind und ich nicht mehr wusste, wie ich zu ihnen zurückfinde. Also habe ich bewusst den kreativen Schreibstecker gezogen. Schreiben sollte sich schließlich hyggelig anfühlen, nicht wahr?

Dieser Blog Post lädt dazu ein, Schreiben neu zu denken: langsamer, menschlicher und vor allem verbundener.
Inspiriert vom Hygge-Konzept möchte ich uns zeigen, wie Schreiben sich wieder wie Ankommen anfühlen darf ❤️

Hygge: Schreibe, als wäre dieser Moment genug

Warum Schreiben oft unbemerkt in den Hustle kippt

Für mich war Schreiben lange ein stiller Prozess. Etwas, das Zeit brauchte, Umwege erlaubte und oft in der hintersten Ecke eines Cafés in Luzern stattfand. Texte durften sich verlieren, sich verändern, durften auch einmal nirgendwohin führen. Mit der Zeit jedoch wurde alles schneller. Und öffentlicher. Heute passiert Schreiben auf unzähligen Plattformen – in Feeds und Timelines, zwischen Algorithmen, Erwartungen und der ständigen Aufforderung, präsent zu bleiben.

Für viele Autor:innen bedeutet das, dass es immer etwas zu schreiben gibt. Einen Post. Einen Text. Einen Gedanken, der nicht verloren gehen darf. Worte werden dadurch nicht weniger geliebt, aber ihr Charakter verschiebt sich. Sie werden funktionaler, zielgerichteter, stärker auf Wirkung ausgerichtet. Und manchmal geht dabei genau das verloren, was uns ursprünglich zum Schreiben gebracht hat: das Gefühl von Verbindung – zu uns selbst, zur eigenen Story, zu diesem inneren Raum, aus dem Sprache überhaupt erst wächst.

So entsteht ein Hustle. Ein permanentes inneres Antreiben. Das kreative Tun fühlt sich dann plötzlich nicht mehr wie eine Oase an, sondern wie Abarbeiten. Wie „einfach Weitermachen“. Klar, Texte entstehen dabei weiterhin, vielleicht sogar viele. Doch bleibt in diesem ständigen Wortstrom überhaupt noch Platz, wirklich bei der eigenen Story anzukommen?

❌ Nope.

Und Achtung: Der Hustle tarnt sich gut. Er nennt sich Disziplin, Professionalität oder Durchhaltevermögen. Viele Autor:innen merken erst zu spät, dass sie längst im Funktionsmodus sind. Sie schreiben zwar regelmäßig, aber eigentlich produzieren sie nur Inhalte. Aber genau hier beginnt sich etwas leer anzufühlen. Nicht, weil die Stories fehlen – oft ist sogar das Gegenteil der Fall. Es fehlt einfach die Ruhe, ihnen zuzuhören.

Wo der Gegenentwurf beginnt - es wird hyggelig!

Irgendwann wurde mir klar, dass ich so nicht weiterschreiben möchte. Also habe ich den kreativen Schreibstecker gezogen. Kein Blogpost, kein Social Media, kein „nur noch schnell“. Stattdessen habe ich versucht, wieder bei mir anzukommen – ohne genau zu wissen, wonach ich eigentlich suche.

In dieser ruhigeren Phase ist mir ein Buch wieder in die Hände gefallen: The Little Book of Hygge von Meik Wiking. Gekauft vor einem Jahr in Kopenhagen, danach lange unbeachtet auf meinem SUB. Jetzt fühlte es sich an, als wäre der richtige Moment gekommen, es aufzuschlagen.

Beim Lesen hatte ich nicht das Gefühl, etwas völlig Neues zu entdecken. Eher war es, als würde jemand Worte für etwas finden, das ich längst gespürt hatte. Hygge beschrieb genau das, was mir im Schreiben abhandengekommen war: Ruhe, Wärme, Präsenz. Dieses unaufgeregte Dasein im Moment, ohne ständig an das Danach zu denken.

Oft wird Hygge auf Kerzen, Decken und gemütliche Ecken reduziert – Dinge, die durchaus dazugehören. Doch je weiter ich las, desto klarer wurde mir: Das ist nur die Oberfläche. Im Kern geht es um Haltung. Um eine bewusste Abkehr vom permanenten Mehr. Um die Entscheidung, Überforderung nicht als Normalzustand zu akzeptieren.

Und irgendwann stellte sich mir eine einfache, aber folgenreiche Frage: Wenn Hygge dem Leben Tempo und Schwere nehmen kann – warum sollte das nicht auch für das Schreiben gelten?

Wie verhyggelt* man nun das Schreiben?

* von mir erfundenes Wort (denke ich)

Je länger ich über Hygge nachdachte, desto weniger interessierten mich Kerzen, Decken oder Möbelstücke. Was mich wirklich gepackt hat, war etwas anderes: die Konsequenz, mit der Hygge Überforderung widerspricht. Nicht theoretisch, sondern schlicht und einfach im Alltag. Und genau da hat es bei mir Klick gemacht.

Wenn Schreiben hyggehaft gedacht wird, verschiebt sich der Fokus. Weg vom Output, hin zur Beziehung. Weg vom Funktionieren, hin zur Verbindung mit dem eigenen inneren Raum. Schreiben wird nicht mehr in erster Linie als Leistung verstanden, sondern als Prozess, der Sicherheit braucht, um Tiefe zu entwickeln.

Wenn Hygge im Leben bedeutet, bewusst aus dem Dauer-Mehr auszusteigen – warum sollte das beim Schreiben anders sein? Warum akzeptieren wir dort einen Hustle, den wir uns in anderen Lebensbereichen längst nicht mehr zumuten würden?

Also habe ich angefangen, mir Hygge nicht als Stimmung, sondern als Filter zu denken. Eine Art innere Checkliste, an der ich mein Schreiben „messe“. Nein, nicht, um es zu bewerten, sondern um bewusster zu werden und wieder näher ranzukommen. An mich. An meine Story. An das, was Schreiben für mich eigentlich sein soll.

Und hier ist sie, meine Checkliste. Sie ist sicherlich kein Idealzustand und ich werde sie wahrscheinlich auch nicht immer erfüllen. Aber sie hilft mir zu merken, wann Schreiben gut tut und wann nicht mehr:

Die hyggelige Checkliste für Autor:innen

Ich schreibe nicht aus Angst, etwas zu verpassen oder unsichtbar zu werden. Sondern aus dem Gefühl heraus, dass dieser Raum mir gehört.

Es muss niemandem gefallen. Es muss zu meinem Leben passen.

Müdigkeit, Pausen, Bewegung gehören dazu.

Manche Gedanken dürfen liegen bleiben. Reifen. Leise sein. Hygge braucht keinen Verwertungsdruck.

Er muss nicht perfekt sein, aber vertraut. Ein Ort, an dem ich nicht funktionieren muss, sondern sein darf.

Nicht-Schreiben ist kein Scheitern, sondern Teil des kreativen Rhythmus.

Klassische Hygge-Elemente, die du noch easy einbauen kannst:
🕯️ Kerzen – für warmes, ruhiges Licht (nicht für Instagram, sondern für dich)
💡 Lampen mit sanfter Beleuchtung statt grellem Deckenlicht
🧣 Eine Decke oder ein Schal, der Wärme und Geborgenheit gibt
☕ Eine Tasse Kaffee oder Tee, bewusst getrunken, nicht nebenbei
🪑 Ein vertrauter Ort, der sich nach Ankommen anfühlt

Drei hyggelige Tipps für deinen Schreiballtag

Ich halte es bewusst simpel, weil mein Alltag gerade nichts anderes zulässt. Alles, was kompliziert ist oder Vorbereitung braucht, fliegt schnell wieder raus. Was bleibt, sind kleine Dinge, die sich fast unauffällig in den Tag einfügen und genau deshalb funktionieren. Voilà:

Hygge beginnt fast immer mit Vereinfachung. Bevor du dein Schreiben effizienter machen willst, frage dich: Was darf gerade wegfallen? Weniger parallele Projekte, weniger Formate, weniger Erwartungen schaffen Raum.

Hygge lebt von Verlässlichkeit. Ein fixer Moment, ein vertrauter Ort oder ein kleines Anfangsritual können deinem Nervensystem signalisieren: Hier darfst du ankommen. Schreiben beginnt dann nicht mit Druck, sondern mit einer Einladung.

Statt Wörter zu zählen, frage dich nach dem Schreiben: War ich präsent? War ich ehrlich? War ich mir nah? Diese Fragen verändern nicht nur dein Schreiben, sondern auch deine Beziehung dazu.

FÜR HYGGELIGES SCHREIBEN:
Das
STORYBOOK Teil 2 – dein hyggeliger Schreibbuddy!
Es nimmt dich mit vom ersten Satz bis zur druckreifen Fassung deines Romans – ohne Hustle, ohne Druck, in deinem Tempo.

Was Teil 2 für dich bereithält:

  • Schreiben mit Verbindung
  • Überarbeiten ohne Überforderung
  • Finalisieren mit Klarheit

Fazit: Schreibe, als wäre dieser Moment genug

Hygge lädt dazu ein, Schreiben nicht ständig auf später zu verschieben. Nicht auf bessere Umstände, nicht auf mehr Energie, nicht auf den perfekten Zeitpunkt. Sondern den Moment, der gerade da ist, ernst zu nehmen.

Vielleicht besteht gutes Schreiben nicht darin, immer weiter zu drängen.
Vielleicht liegt seine Kraft darin, immer wieder anzukommen.

Bei den Worten.
Bei sich selbst.
In diesem einen Moment, der – zumindest für jetzt – genug ist.

Happy storify.ing! ✨

Sabrina

Dieser Artikel wurde mit ganz viel ❤ in Luzern, Schweiz geschrieben.