Schreiben als Newbie-Mommy: Realistische Schreibziele im Alltag
Zwischen Bäucherchen, Windeln & Stories — Post 3/3
Du liebst dein Baby. Und du liebst das Schreiben. Und manchmal fühlt es sich an, als würden diese beiden Welten nicht gleichzeitig Platz haben. Als müsstest du dich entscheiden. Spoiler: Das musst du nicht. Aber es braucht Schreibziele, die zu diesem neuen Leben passen.
Dieser Blogpost ist für all die Momente, in denen du dein Buch nicht aufgeben willst, aber auch nicht ausbrennen möchtest und einen neuen, machbaren Weg suchst. Aber erstmal von vorne:
Warum klassische Schreibziele jetzt nicht mehr funktionieren
Wenn ein Baby in dein Leben kommt, verschiebt sich alles: dein Schlaf, deine Prioritäten, deine emotionale Kapazität, dein Zeitgefühl (äähm – welcher Tag ist heute?). Stunden fühlen sich plötzlich wie Minuten an, und Minuten können sich anfühlen wie ein ganzer Marathon. Trotzdem versuchen viele frischgebackene Mamis, an ihre alten Ziele anzuknüpfen – so, als hätte sich nichts verändert.
„Ich möchte wieder 1.000 Wörter am Tag schreiben.“
„Ich brauche regelmäßig zwei Stunden Fokuszeit.“
„Ich will jede Woche ein Kapitel schaffen.“
Real talk: Das ist nicht nur unrealistisch – es ist unfair dir selbst gegenüber.
Vergiss nicht: Du bist gerade mental, körperlich und emotional im Dauerbetrieb. Die Erwartung, deine alte Schreibversion solle weiterhin funktionieren, ignoriert völlig, in welcher Lebensphase du dich gerade befindest.
Deshalb braucht es keine Ziele, die aus deinem früheren Alltag stammen, sondern solche, die zu deinem jetzigen Leben passen.
Und das beginnt mit einer wichtigen Erkenntnis:
Kleine Ziele sind kein Rückschritt. Kleine Ziele sind klug.
Kleine Ziele tragen weiter, als man denkt
Viele Autor:innen haben das Gefühl, dass kleine Ziele weniger zählen. Dass sie ein Zeichen von Stillstand sind oder davon, nicht genug zu geben. Gerade im Mami-Alltag ist jedoch das Gegenteil der Fall. Kleine Ziele sind nicht der Rückzug aus dem Schreiben, sondern eine sehr bewusste Entscheidung dafür.
Sie halten dich verbunden, ohne dich zusätzlich zu belasten. Sie sind machbar, sie nehmen Druck aus dem Prozess und sie stärken das Gefühl, überhaupt noch handlungsfähig zu sein. Und oft passiert genau dann etwas Unerwartetes: Aus einem kleinen Impuls entsteht Bewegung. Nicht immer sofort sichtbar, aber spürbar.
Du arbeitest nicht weniger engagiert als früher. Du arbeitest anders. In kurzen Momenten, intuitiv, angepasst an das, was gerade möglich ist. Und genau diese Art des Arbeitens bringt dein Projekt langfristig weiter – leise, aber kontinuierlich.
Denn es geht nicht darum, möglichst viel zu schreiben.
Es geht darum, verbunden zu bleiben.
Viele glauben, man müsse jeden Tag schreiben, um sich Autor:in nennen zu dürfen. Doch gerade die ersten Monate mit Baby zeigen etwas anderes: Autor:in zu sein heißt nicht, täglich Output zu produzieren. Es heißt, in Beziehung zu bleiben – zu deinen Ideen, zu deiner Stimme, zu diesem kleinen inneren Funken, der dich überhaupt erst zum Schreiben gebracht hat.
Ein kurzer Gedanke zählt.
Eine unsaubere Notiz zählt.
Ein einzelner Satz zählt.
Du bist nicht weniger Autor:in, nur weil du weniger Zeit hast. Du bist ein:e Autor:in, der:die gleichzeitig ein Menschlein großzieht. Und das ist eine Leistung, die in keiner Statistik auftaucht, aber enorm viel Kraft kostet.
Schreibziele, die realistisch sind und funktionieren
Hier geht’s nicht ums „Schaffen“, sondern ums Dranbleiben. Oder wie vorhin erwähnt: um verbunden zu bleiben.
Ein Satz pro Tag.
Ja, (für den Anfang) wirklich nur einer. Das klingt klein, aber dieser Satz ist ein Einstieg. Er hält deine Story offen. Er verhindert, dass du dich abkoppelst. Und manchmal wird aus einem Satz plötzlich ein Absatz — oder mehr. Für mich war anfangs der eine Satz mein Rettungsanker.
Das Fünf-Minuten-Fenster.
Hier geht es ums Mindset:
Nicht: „Ich brauche eine Stunde.“
Sondern: „Ich nutze die fünf Minuten, die ich habe.“
Beim Stillen mit der Handy-Notizfunktion.
Zwischen zwei Schlafphasen.
Am Abend, kurz bevor du selbst ins Bett fällst.
Dieses Fünf-Minuten-Schreiben ist kein Notnagel.
Es ist eine Methode. Eine, die sich an deinen Alltag anpasst, nicht umgekehrt.
Das Wochenziel statt dem täglichen Ziel.
Tagesziele sind nett, aber unzuverlässig, wenn Babys entscheiden, wie der Tag läuft.
Ein Wochenziel ist gefühlt „weicher“. Großzügiger.
Zum Beispiel:
„Diese Woche möchte ich eine Szene weiterdenken.“
„Diese Woche sammle ich fünf Ideen.“
„Diese Woche arbeite ich an zwei Tagen ein paar Minuten am Projekt.“
Du gibst dir Spielraum.
Und Spielraum ist kein Luxus; er ist notwendig.
Das Fokus-Ziel.
Wähle pro Woche eine Sache, die dir wichtig ist.
Eine Figur verstehen.
Einen Konflikt ordnen.
Eine Szene überarbeiten.
Ein Moodboard erstellen.
Ein Problem im Plot lösen.
Mutterschaft zwingt dich, maximal zu fokussieren.
Warum also nicht auch im Schreiben?
Wie du schreibst, ohne dich selbst auszubrennen
Burnout entsteht nicht durch Schreiben, sondern durch Erwartungen, die nichts mit deiner Realität zu tun haben. Drei Denkweisen haben mir dabei persönlich geholfen:
1. „Ich muss heute nicht kreativ sein.“
Weil: Kreativität kommt zurück. Oft genau dann, wenn man sie nicht erzwingt.
2. „Mein Tempo ist gerade ein anderes – und das ist okay.“
Nicht, weil mir das Schreiben weniger wichtig ist, sondern weil mein Leben gerade mehr Raum braucht.
3. „Ich darf (andere) Prioritäten haben.“
Manche Tage bestehen jetzt einfach aus Überleben. Nähe. Schlaf. Diese Tage sind nicht „verloren“. Sie sind der Boden, auf dem Kreativität später wachsen kann.
Hilfreiche Tools & Rituale
Ich halte es bewusst simpel, weil mein Alltag gerade nichts anderes zulässt. Alles, was kompliziert ist oder Vorbereitung braucht, fliegt schnell wieder raus. Was bleibt, sind kleine Dinge, die sich fast unauffällig in den Tag einfügen und genau deshalb funktionieren.
Mein Handy ist mein wichtigstes Schreibwerkzeug geworden. Einfach weil es immer da ist. Gedanken, die beim Stillen, Tragen oder Spazierengehen auftauchen, landen direkt in den Notizen.
Wenn der Kopf zu müde ist zum Tippen, greife ich zu Audio-Memos. Gedanken sprechen fühlt sich oft leichter an als schreiben, besonders an Tagen, an denen Worte zwar da sind, aber die Energie fehlt, sie sauber zu formulieren. Viele dieser gesprochenen Notizen werden später zu Szenen, Dialogen oder Ausgangspunkten für Texte.
Was mir außerdem hilft, sind einfache Journaling-Fragen. Keine langen Reflexionen, sondern kurze Impulse, die Ordnung in das Gedankenchaos bringen. Fragen wie: Worum kreise ich heute innerlich? oder Was hat mich überrascht? reichen oft schon, um Klarheit zu schaffen – und manchmal auch eine neue Idee.
Statt großer Pläne arbeite ich mit Mini-Visionen. Kleine Bilder davon, wie sich mein Projekt entwickeln könnte, ohne dass ich es sofort leisten oder umsetzen muss. Dieses kurze Innehalten, dieses Erlauben zu träumen, hält die Verbindung zum Schreiben lebendig, ohne Druck aufzubauen.
Austausch entlastet. Zu wissen, dass andere in ähnlichen Phasen stecken, macht einen großen Unterschied.
Fazit
Du musst keine großen Ziele haben.
Du musst nicht leisten.
Du musst nicht perfekt funktionieren.
Du darfst klein anfangen.
Langsam weitermachen.
Unperfekt schreiben.
Notizen sammeln.
Gedanken sortieren.
Oder einfach nur träumen.
Baby und Buchprojekt schließen sich nicht aus.
Sie verlangen nur eine neue Definition von Erfolg.
Manchmal ist Erfolg kein Kapitel.
Manchmal ist Erfolg ein Satz.
Und manchmal ist Erfolg, sich nicht selbst zu überfordern.
Happy storify.ing! ✨
Sabrina
Dieser Artikel wurde mit ganz viel in Luzern, Schweiz geschrieben – zwischen Babyblase, Kaffee und einem kurzen Moment für mich.






