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Novel November: 30 Tage, deine Regeln, deine Story

31. Oktober 2026·8 Min. Lesezeit·Sabrina

Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Novel November. Ich hatte die 50.000 Wörter vor Augen, weil man das eben so macht. Am 8. November lag ich schon 4.000 Wörter zurück und hatte das dumpfe Gefühl, versagt zu haben. In einem Monat, der gerade erst angefangen hatte. Seitdem frage ich mich, was dieser Monat eigentlich sein könnte, wenn ich ihn nicht als Wettkampf anlege. Meine Antwort: dreißig Tage, deine Regeln, deine Story.

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Darum geht's

  • Was Novel November wirklich ist, jenseits der 50.000 Wörter
  • Wie du ein Wortziel findest, das zu deinem Alltag passt
  • Warum dir eine kleinste Schreibeinheit durch volle Tage hilft
  • Wie dein Plan B für Tage aussieht, an denen nichts geht
  • Und wie du den Monat abschließt, egal wie weit du gekommen bist

Was Novel November eigentlich ist

Die Idee kennst du vielleicht vom NaNoWriMo, dem National Novel Writing Month aus den USA: 50.000 Wörter in dreißig Tagen. Das sind ungefähr 1.667 Wörter jeden Tag. Die Organisation dahinter gibt es seit 2025 nicht mehr, aber der Monat ist geblieben. Jedes Jahr im November setzen sich weltweit Menschen hin und schreiben an ihrem Roman.

Die 50.000 Wörter funktionieren für manche wunderbar. Vor allem, wenn du schon viel Schreiberfahrung hast, einen flexiblen Alltag und ein Projekt, das bereits sitzt.

Für alle anderen möchte ich etwas klarstellen: Novel November ist keine Prüfung. Es ist ein Monat. Ein Herbstmonat, der zufällig dreißig Tage hat und in dem etwas in der Luft liegt, das sich nach Aufbruch anfühlt.

Für mich geht es im Novel November vor allem ums Dranbleiben. Du musst deine Geschichte in diesen dreißig Tagen nicht fertig schreiben, und du musst auch niemandem beweisen, wie viel du geschafft hast. Es reicht, wenn du immer wieder zu ihr zurückkommst. Auch an Tagen, an denen das Leben dazwischenfunkt oder dir nichts so richtig gelingen will. Und auch dann, wenn Theodor schon wieder mit dem Rotstift neben dir sitzt und murmelt: „Aber das ist doch keine richtige Literatur.“

Wer ist eigentlich Theodor?

Warum er mir so gern über die Schulter schaut, erzähle ich dir in meinem Essay auf Substack.

Lass uns über Theodor reden

Warum ein Wortziel allein noch kein Plan ist

Die 50.000 haben eine gewisse Magie. Sie fühlen sich nach einem richtigen Buch an. Aber ein Wortziel, das du nicht einhalten kannst, bewirkt das Gegenteil von dem, was es soll: Es nimmt dir die Lust am Schreiben früher, als es jede Schreibblockade könnte.

Bevor du am 1. November das erste Wort tippst, lohnt es sich deshalb, ehrlich zu rechnen. Nicht hochzustapeln, sondern hinzuschauen:

  • An wie vielen Tagen im November kann ich realistischerweise schreiben?
  • Wie viele Wörter schaffe ich an einem ganz normalen Abend nach der Arbeit?
  • An welchen Tagen werde ich ganz sicher nicht schreiben?

Wenn du an zwanzig von dreißig Tagen 500 Wörter schreibst, hast du am Ende des Monats 10.000 neue Wörter in deiner Geschichte. Das klingt weniger spektakulär als 50.000. Aber es ist echt. Und 10.000 Wörter, die existieren, sind so viel mehr wert als 50.000, die du am 9. November aufgegeben hast.

Und dann frag dich noch etwas, das mit Zahlen gar nichts zu tun hat: Was soll am 30. November für dich anders sein? Möchtest du den ersten Akt fertig haben? Oder endlich wissen, wie deine Story endet? Oder du willst einfach einen Monat lang jeden Tag Zeit mit deiner Story verbringen? Das hier sind die eigentlichen Ziele. Das Wortziel ist nur das Werkzeug.

Deine kleinste Schreibeinheit

Irmgard würde an dieser Stelle sagen: „Fang einfach an. Jeden Tag ein bisschen.“ Und sie hat recht, auch wenn ich das lange nicht hören wollte.

Ich arbeite deshalb mit etwas, das ich meine kleinste Schreibeinheit nenne. Das ist die Menge, die ich auch an einem richtig schlechten Tag schaffe. Bei mir sind das 15 Minuten oder 200 Wörter, je nachdem, was zuerst erreicht ist.

Das klingt fast lächerlich wenig. Genau darum geht es aber. Die kleinste Schreibeinheit ist nicht dein Tagesziel, sondern deine Untergrenze. Sie sorgt dafür, dass ein voller Tag nicht automatisch ein verlorener Tag ist. Und sehr oft passiert etwas Schönes: Du setzt dich für 15 Minuten hin und bleibst eine Stunde.

Damit deine kleinste Schreibeinheit funktioniert, braucht sie einen konkreten nächsten Schritt. „Am Roman weiterschreiben“ ist zu vage. „Die Szene, in der Mara den Brief findet“ ist etwas, mit dem du dich sofort hinsetzen kannst. Ich schreibe mir deshalb am Ende jeder Schreibsession auf, womit ich beim nächsten Mal weitermache. Dann öffne ich das Dokument nicht ins Leere, sondern in eine Szene, die schon auf mich wartet.

Eine Routine, die auch im November hält

Der November ist kein leerer Monat. Da sind Job und Familie, die ersten dunklen Abende und eine Couch, die plötzlich lauter ist als die Geschichte. Eine Routine, die trotzdem hält, entsteht für mich nicht durch eiserne Disziplin, sondern durch ein paar Entscheidungen, die ich vorher treffe.

Die wichtigste davon: Wann schreibst du? Morgens vor dem ersten Kaffee? In der Mittagspause? Spät abends, wenn die Wohnung endlich ruhig ist? Diese Zeit muss nicht heilig sein, aber sie gehört dir. Trag sie dir in den Kalender ein, als wäre sie ein Termin mit einer guten Freundin.

Hilfreich ist außerdem ein fester Ort. Das muss kein Schreibzimmer sein (das haben die wenigsten von uns), aber ein Stuhl, ein Tisch und eine Tasse mit dem richtigen Tee. Solche kleinen Rituale sagen deinem Kopf: Jetzt ist Schreibzeit.

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Plan B für die vollen Tage

Es wird Tage geben, an denen nichts geht. Du wirst krank, im Job brennt es, oder du bist abends einfach zu müde, um auch nur einen Satz zu formulieren. Das ist keine Frage des Ob, sondern des Wann.

Deshalb lohnt es sich, schon vorher zu überlegen, was du an solchen Tagen tust. Mein Plan B sieht so aus:

  • Ich lese die letzte Szene, die ich geschrieben habe, und notiere einen Satz dazu, wie es weitergeht.
  • Ich schreibe auf dem Handy drei Sätze in mein Notizbuch, egal wo ich gerade bin.
  • Ich lasse den Tag bewusst aus und verschiebe meine Schreibzeit, statt mir den ganzen Abend ein schlechtes Gewissen zu machen.

Der Plan B ist nicht dazu da, trotzdem die volle Leistung zu bringen. Er ist dazu da, dass du mit deiner Geschichte verbunden bleibst. Denn das Schwierigste am Novel November ist selten ein einzelner ausgelassener Tag. Es ist der Moment danach, in dem du das Gefühl hast, sowieso schon zu weit hinten zu sein.

Mini-Übung

Deine Regeln für den November

Nimm dir zehn Minuten und beantworte diese vier Fragen. Schreib sie dir auf einen Zettel und häng ihn dort auf, wo du schreibst.

1. Was soll am 30. November für mich anders sein?

2. Was ist meine kleinste Schreibeinheit?

3. Mit welcher Szene fange ich am 1. November an?

4. Was mache ich an Tagen, an denen nichts geht?

Das sind deine Regeln. Niemand sonst muss sie gut finden. Sie müssen nur zu deinem Alltag passen.

deine Regeln,
deine Story

Fortschritt, den du nicht zählen kannst

Die Wortzahl ist das, was am leichtesten sichtbar ist. Deshalb starren wir im November alle darauf. Aber sie erzählt nur einen Teil der Geschichte.

Fortschritt ist auch, wenn du endlich verstehst, warum deine Hauptfigur in Kapitel drei so stur ist. Wenn du eine Szene streichst, weil du merkst, dass sie nicht in deine Geschichte gehört. Wenn du an einem Abend 300 Wörter schreibst und eine davon ist der Satz, auf den du seit Wochen gewartet hast.

Ich notiere mir deshalb jeden Abend nicht nur, wie viele Wörter ich geschrieben habe, sondern auch einen Satz dazu, was ich über meine Geschichte gelernt habe. Am Ende des Monats lese ich diese Sätze durch. Und es überrascht mich jedes Jahr wieder, wie viel da zusammengekommen ist, auch in den Wochen, in denen die Zahl eher bescheiden war.

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Wenn der November zu Ende geht

Am 30. November wirst du wahrscheinlich nicht genau dort sein, wo du hinwolltest. Vielleicht hast du dein Wortziel erreicht und merkst trotzdem, dass die Geschichte noch lange nicht fertig ist. Vielleicht hast du zwei Wochen ausgelassen und bist damit im Reinen. Oder auch nicht.

Was zählt, ist, was du mitnimmst. Eine Figur, die sich anfühlt wie ein echter Mensch. Drei Szenen, die dir zeigen, wohin deine Geschichte will. Das Gefühl, einen Monat lang bei einer Sache geblieben zu sein, auch wenn es holprig war.

Der November endet. Deine Geschichte nicht.

Gönn dir danach ruhig eine Woche Pause. Dann lies erst, was entstanden ist und entscheide: Was davon möchte weitergeschrieben werden?

Das ist kein Abschluss. Das ist ein Anfang mit ganz viel Material.

Wer hier schreibt
Sabrina Jordak, Autorin und Gründerin von storify.ing

Sabrina schreibt Romane und weiss, wie es sich anfühlt, in der Mitte eines Manuskripts stecken zu bleiben. Auf storify.ing teilt sie, was ihr selbst geholfen hat, weiterzuschreiben.

Happy storify.ing! Sabrina

Dieser Artikel wurde mit ganz viel Herz in Wien, Österreich geschrieben.

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