Das innere Team – Post 2/2

Im ersten Teil dieser Serie haben wir die Mitbewohner in meinem Kopf kennengelernt: von der besorgten Clara bis zur visionären Helene. Wir haben gesehen, wie sie flüstern, streiten und manchmal Allianzen bilden, die uns komplett lahmlegen können. Aber was nützt das beste Team, wenn am Schreibtisch nur Chaos herrscht? Heute verlassen wir das bloße Beobachten. Es ist Zeit, das Mikrofon zu übernehmen und vom „Opfer des Stimmengewirrs“ zur souveränen Führungskraft zu werden.

In diesem Blog Post lernst du, wie du durch gezielte Check-ins und die Technik der „inneren Führung“ die Regie an deinem Schreibtisch zurückgewinnst ❤️

Grafik: Das innere Schreibteam

Der tägliche Check-in: Wie geht es deinem Team heute?

Bevor du die erste Zeile schreibst, solltest du kurz innehalten. Ein Team, das sich ignoriert fühlt, wird laut – ein Team, das gesehen wird, wird kooperativ. Frag dich deshalb jeden Morgen: 

Wer sitzt heute mit welcher Energie am Tisch?

Vielleicht ist Theodor (innerer Kritiker) heute besonders streng, weil du gestern einen Fehler gemacht hast. Möglicherweise wirkt Clara (inneres Mutter-Gewissen) unruhig, weil das Baby schlecht geschlafen hat. Oder du musst erst einmal suchen, wo sich Irmgard (innere Schreiberin) heute versteckt hält. Ein kurzer „Check-in“ (vielleicht sogar schriftlich in deinem Journal) reicht oft schon aus, um den Druck aus dem Kessel zu nehmen. Wenn du weißt, wer heute „schwierig“ ist, kannst du die Moderation proaktiv darauf anpassen.

Seit ich das mache, fühlt sich Schreiben jedenfalls nicht mehr wie ein Kampf an, sondern wie ein Meeting mit klarer Agenda.

So übernimmst du die Leitung in deinem Kopf

Nach dem Modell von Schulz von Thun ist die wichtigste Rolle am Tisch die „Innere Führung“. Das bist du selbst. Du bist nicht deine Stimmen – du bist diejenige, die sie moderiert. Um dich souverän ans Kopfende zu setzen, helfen dir drei wesentliche Schritte:

Vermeide Sätze wie: „Ich habe Angst vor dem Versagen.“ Formuliere es lieber so: „Ich nehme wahr, dass Mira gerade Angst vor dem Versagen hat.“ Dieser kleine sprachliche Unterschied schafft sofort den nötigen Abstand, um handlungsfähig zu bleiben und dich nicht im Gefühl zu verlieren.

Kein Teammitglied meint es böse, denn jedes möchte einen bestimmten Wert schützen. Wenn ich Theodor (meinen Kritiker) höre, dann sag ich ihm: „Danke, dass du willst, dass mein Text Qualität hat. Ich schätze das. Aber jetzt gerade brauche ich Aurelias Chaos (meine Tagträumerin), um überhaupt Material zu haben.“ Wertschätzung ist das beste Mittel gegen inneren Widerstand.

Ein Team ohne Tagesordnung endet unweigerlich im Chaos. Sei deshalb bestimmt in deiner Ansage: „Theodor (innerer Kritiker), du darfst heute Abend beim Korrigieren alles geben. Aber für die nächsten zwei Stunden hast du Sendepause. Jetzt hat Irmgard (innere Schreiberin) das Wort.“ Führung bedeutet hier, Grenzen zu setzen, damit der kreative Raum geschützt bleibt.

Kreative Tools für dich und dein Team

Damit die Arbeit mit deinem Team nicht nur Theorie bleibt, kannst du sie spielerisch in deinen Alltag integrieren. Visualisierung hilft enorm dabei, aus abstrakten Gedanken echte Verbündete zu machen.

Gib deinen Stimmen ein Gesicht

Ein Team gewinnt an Kraft, wenn du es nicht nur hörst, sondern auch siehst. Skizziere deine Figuren so, wie sie in deinem Kopf aussehen. Welche Kleidung tragen sie? Welchen Gesichtsausdruck haben sie? Es muss kein Meisterwerk sein – es geht wirklich nur um die Präsenz.

Tipp: Falls du nicht selbst zeichnen willst, lass eine KI deine Teammitglieder generieren. „Meinen“ Theodor habe ich im ChatGPT Prompt so beschrieben:

„Ein älterer Mann mit runder Brille, strenger Blick, hält einen Rotstift in der Hand, sitzt an einem Stapel alter Manuskripte. Stil: warme, aber dunkle Farben.“

Hier siehst du, wie mein Team aussieht ❤️

Arbeite mit Karteikarten

Schreib die Namen deiner Teammitglieder auf physische Karteikarten. Wenn du am Schreibtisch sitzt, leg sie sichtbar vor dich hin. So kannst du haptisch steuern: Wer darf gerade sprechen? (Karte in die Mitte schieben). Wer soll mal kurz vor die Tür? (Karte umdrehen oder beiseitelegen).

Koalitionsanalyse

Manchmal reicht es nicht zu wissen, wer am Tisch sitzt – du musst verstehen, wer gerade mit wem „tuschelt“. Wenn du das Gefühl hast, festzustecken, obwohl du eigentlich schreiben willst, frage dich: Wer hat sich hier gerade gegen wen verbündet?

Häufig entstehen unbewusste Pakte, die dich blockieren:

  • Clara + Mira gegen Helene: Dein Pflichtgefühl und dein Zweifel verbünden sich gegen deine Vision. Das Ergebnis? Ein schlechtes Gewissen, das so schwer wiegt, dass du den Laptop gar nicht erst aufklappst.
  • Theodor + Mira gegen Aurelia: Dein Kritiker und deine Zweiflerin tun sich zusammen, um die Tagträumerin in die Schranken zu weisen. Das Ergebnis? Du hältst jede Idee sofort für lächerlich.

Der Clou: Allein dieses Bewusstsein entwaffnet die Situation. Sobald du merkst: „Ah, Clara und Mira machen gerade gemeinsame Sache“, kannst du als Chefin intervenieren und die Koalition auflösen.

Fazit: Der Platz am Kopfende des Tisches

Eines habe ich über die Zeit gelernt: Die Führung zu übernehmen bedeutet nicht, dass es in meinem Kopf plötzlich still wird. Es bedeutet, dass ich gelernt habe, mit dem Rauschen umzugehen. Wenn ich heute am Schreibtisch sitze, darf Clara besorgt sein, Helene darf Pläne schmieden und Theodor darf die Stirn runzeln. Doch keine dieser Stimmen darf mir die Feder aus der Hand nehmen.

Indem du deinem Team einen festen Platz zuweist, erschaffst du dir selbst den Freiraum, den du zum Schreiben brauchst. Du bist der:die Regisseur:in dieses wunderbaren, chaotischen und hochkreativen Ensembles. Vertrau darauf, dass du stark genug bist, die Moderation zu übernehmen. Denn am Ende zählt nicht, wie perfekt die Sitzung verlaufen ist, sondern dass die Story erzählt wird.

Happy storify.ing! ✨

Sabrina

Dieser Artikel wurde mit ganz viel ❤ in Luzern, Schweiz geschrieben.

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